Geschichte

Die Geschichte der Steinbruchs-BG beginnt mit der Geschichte der Berufsgenossenschaften insgesamt, also im Jahr 1884, als das Unfallversicherungsgesetz verkündet wurde. Dessen Idee war - wie für die Krankenversicherung und die "Invalidenversicherung", also die Rentenversicherung - den sozialen Unruhen entgegen zu wirken, die angesichts der Massenarmut der Arbeiterschaft aufgekommen waren. Der geistige Vater der Sozialversicherung, Reichskanzler Otto von Bismarck, wollte mit einer gewissen materiellen Absicherung der Arbeiter - deren Niveau aus heutiger Sicht trotz aller reformbedingten Kürzungen äußerst dürftig war - einerseits die sozialen Schäden der industriellen Revolution abmildern, andererseits den monarchisch-obrigkeitlichen Staat festigen.

Für den Bereich der Unfallversicherung wurde diese Intention dadurch umgesetzt, dass die bisherige private Haftung des Unternehmers durch die Solidarhaftung der in Berufsgenossenschaften zusammengeschlossenen Unternehmer gleichartiger Gewerbezweige ("Berufsgenossen") abgelöst wurde (siehe Ideen und Ausgestaltung). Von Anfang an war die Unfallverhütung eine Aufgabe der Unfallversicherungsträger, die in der gesetzlichen Ermächtigung zum Erlass von Unfallverhütungsvorschriften und in der Berechtigung zur Überwachung der Betriebe ihren Ausdruck fand. Zunächst erstreckte sich die Versicherung nur auf die eigentlichen Arbeitsunfälle. Erste Meilensteine in der Entwicklung der Unfallversicherung sind die Erweiterung des Versicherungsschutzes auf Wegeunfälle sowie auf Berufskrankheiten im Jahr 1925. Und nachdem zunächst nur die Beschäftigten in besonders gefährdeten Betriebszweigen versichert waren, wurde 1942 der allgemeine Versicherungsschutz für alle abhängig Beschäftigten eingeführt.

In den 20-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat es fast 70 gewerbliche Berufsgenossenschaften gegeben. Dies war teilweise durch eine sehr spezifische fachliche Gliederung zu erklären - erwähnt werden sollen nur die Tabak-BG, die Musikinstrumente-BG und die Schornsteinfeger-BG. Zu einem anderen Teil ist diese hohe Zahl mit einer regionalen Gliederung vieler Branchen zu erklären, die heute weitestgehend abgeschafft ist. So gab es zeitweilig 6 Textil-BGen, 4 Holz-BGen und immerhin 3 BGen für die Binnenschifffahrt. Vor diesem Hintergrund nimmt sich die aktuelle Zahl von 12 Berufsgenossenschaften (seit Januar 2010) vergleichsweise bescheiden aus (siehe Reformüberlegungen).

Die Steinbruchs-BG bestand bis zur Fusion zur BG RCI Anfang 2010 mit ihrem Branchenzuschnitt und unter diesem Namen seit Anbeginn. Wegen der damaligen größeren räumlichen Ausdehnung ihres Zuständigkeitsbereichs, dem gesamten Gebiet des Deutschen Reichs, gab es zunächst knapp 50 Jahr lang 10 Sektionen, wie die Bezirksverwaltungen bei der Steinbruchs-BG traditionell genannt wurden. Nach dem Krieg reichten dann 4 Sektionen, und zwar in Nürnberg, Karlsruhe, Bonn und Hannover. Die räumliche Ausdehnung des Zuständigkeitsbereichs im Zuge der deutschen Einheit führte dann 1991/1992 wiederum zur Errichtung von Sektionen an dem alten Standort Berlin und in Dresden. Die Sektion in Berlin wurde jedoch bereits Mitte 1998 wieder geschlossen und in eine Geschäftsstelle umgewandelt; gleiches geschah Anfang 2005 mit der Sektion in Karlsruhe. Die Hauptverwaltung befand sich - wie die Sektion IV - seit 1996 in Langenhagen, nachdem sie kurz nach dem Krieg von Berlin nach Hannover verlegt wurde. Mit Inkrafttreten der Fusion zur BG RCI ist der Standort Langenhagen einer der vier Standorte der Hauptverwaltung der BG RCI sowie Standort der Bezirksdirektion Langenhagen, die für Norddeutschland zuständig ist, geworden.

Die Kennzahlen, mit der die Größe einer Berufsgenossenschaft gemessen werden können, haben sich im Laufe der Zeit gravierend gewandelt: Während im ersten vollen Geschäftsjahr, d.h. 1886, ca. 83.000 versicherte Vollarbeiter in etwa 12.000 Betrieben tätig waren, zählte man 10 Jahre später bereits 112.000 versicherte Vollarbeiter in 16.000 Betrieben. 1906 waren es bereits 170.000 Vollarbeiter, was allerdings fast 460.000 Personen entspricht, denn der Vollarbeiter ist eine statistische Größe, die damals für 300 Arbeitstage im Jahr stand. Die große Differenz zwischen diesen beiden Zahlenwerten erklärt sich daraus, dass viele Betriebe in den Wintermonaten nicht arbeiten konnten und außerdem eine Reihe von Beschäftigten dann doch nicht 300 Tage im Jahr gearbeitet haben dürften. Die stark ansteigenden Zahlen in den ersten knapp 30 Jahren sind vor allem auf die rege Bautätigkeit in der sog. Gründerzeit zurückzuführen. Der erste Weltkrieg hat allerdings zu einem starken Rückgang der Branchentätigkeit geführt, was sich wiederum an den Vollarbeiterzahlen ablesen lässt: 1913: 171.000, 1918: 76.000. Weitere Folge des Kriegs war die Knappheit an Sprengstoffen, die der Zwangswirtschaft unterlagen. So konnte nur gut die Hälfte der Nachfrage befriedigt werden. Die Verwaltungsberichte dieser Jahre beginnen mit langen Listen von gefallenen Versicherten, geordnet nach Mitgliedsbetrieben.

Nach dem ersten Weltkrieg ging es nur langsam wieder aufwärts, das Vorkriegsniveau an Vollarbeitern wurde 1927 erreicht. Ein erheblicher Zuwachs an Betrieben und Versicherten, diesmal allein aus politischen Gründen, war 1939 zu verzeichnen, und zwar (wie es im Verwaltungsbericht heißt), durch "die Rückkehr der Ostmark ins Reich und die Vereinigung des Sudentenlandes mit dem Reich" (15.400 Betriebe und 246.000 Vollarbeiter). Natürlich spiegelt sich auch der folgende gesellschaftliche und wirtschaftliche Zusammenbruch am Ende des zweiten Weltkriegs in den Zahlen (für die drei Besatzungszonen der Westmächte) wider: 1946 arbeiteten in 8.200 Betrieben knapp 61.000 Vollarbeiter, das entspricht gut der Hälfte (Betriebe) bzw. einem Viertel (Vollarbeiter) der Vorkriegszahlen. Für den Wiederaufbau wurden Baustoffe in großen Mengen gebraucht, so dass Ende der 40er Jahre ein lang anhaltender Anstieg der Vollarbeiterzahlen einsetzte. Die "Wirtschaftswunderjahre" der 50-er-Dekade haben ihre Namensgebung nicht zuletzt einer steil nach oben gerichteten Baukonjunktur zu verdanken. Mit jährlichen Wachstumsraten des Bauvolumens von real 8 Prozent erlebte die Bauwirtschaft und in ihrem Sog die Bauzuliefererindustrie einen Boom, der allenfalls noch mit der Entwicklung nach der Wiedervereinigung verglichen werden kann. In den 60-er Jahren ebbte die bauwirtschaftliche Dynamik entscheidend ab. Die jährliche Wachstumsrate des Bauvolumens halbierte sich auf 4 Prozent, nicht zuletzt auch wegen der ersten Baukrise im Jahr 1967. Ein weiterer einschneidender konjunktureller Einbruch war 1973/74 zu verzeichnen. Im Gefolge der Bauwirtschaft erlebte auch der Steine-und-Erden-Sektor seine bis dahin tiefste Krise. Erstmals war von einer "Strukturkrise" die Rede. Diese Krise war nicht nur nachfragebedingt; mitverursachend waren vielmehr gravierende Veränderungen in der Kostenstruktur durch die zwischenzeitlich eingetretenen kräftigen Energiepreissprünge (Stichwort Ölkrise) sowie administrative Hemmnisse in der Rohstoffversorgung mit daraus resultierender Verteuerung. Dem entsprechend ging die Anzahl von 6.000 Unternehmen mit 177.000 Vollarbeitern für das Jahr 1970 in den Folgejahren zurück, und auch die weitere Entwicklung - starker wirtschaftlicher Aufschwung Anfang der 90er Jahre, Rezession auf dem Bau seit Mitte der 90er Jahre bis heute - spiegelt die gesamtwirtschaftliche Lage und insbesondere diejenige der Baubranche wider. Zuletzt versicherte die Steinbruchs-BG in 5.100 Mitgliedsunternehmen 142.000 Ver-sicherte, das sind 129.000 Vollarbeiter.

Im Rahmen der Debatte um die Strukturreform der gewerblichen Berufsgenossenschaften hat sich die Steinbruchs-BG frühzeitig positioniert: Seit dem 1. Juli 2002 bildete sie gemeinsam mit der Bergbau-BG in Bochum eine Verwaltungsgemeinschaft. Diese kam insbesondere durch eine einheitliche Leitung beider Verwaltungen in Personalunion sowie durch die organisatorische Verknüpfung vieler Organisationseinheiten zum Ausdruck. Mit der Fusion zur BG RCI endete nicht nur die Existenz der beiden Träger der Verwaltungsgemeinschaft, sondern auch diese selbst.

Historisches Dokument